Italie: Foligno, die Stadt der Quintana

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di Giovanni Bosi, Foligno / Italie

(TurismoItaliaNews) Foligno wird traditionell als “Zentrum der Welt” betrachtet. Es liegt im Herzen von Umbrien und im Zentrum von Italien. Es ist als Stadt der Quintana international bekannt. Das "Ringrennen“ wird jedes Jahr im Juni und im September als Wettstreit unter den Reitern der zehn Stadtteile durchgeführt. Der Geschicklichgkeits – und Geschwindigkeitswettbewerb ist spannend. Am Arme einer hölzernen Statue, "Quintana“ genannt, wird jeweils ein Ring aufgehängt, der nach und nach kleiner gewählt ist. Der Reiter spornt das Pferd zum Galopp an und muss mit einer langen Lanze durch den Ring stechen. Lebhaftes Treiben breitet sich auf den Straßen und Plätze der Stadt aus, ein buntes Volksfest, das nicht nur tiefe Leidenschaften weckt, sondern das auch ein streng, historisches, ikonographisches und gastronomisches Abbild des italienischen Barocklebens ist. Foligno bietet mit seinen prächtigen Palästen des siebzehnten Jahrhunderts, seinen Museen und Oratorien der Barockzeit den entsprechenden Rahmen für diese Veranstaltung. Foligno ist außerdem stolz, den Vorzug zu genießen, die erste Ausgabe der „Divina Comedia“ im Jahre 1472 gedruckt zu haben.

Das Tournier der Quintana

Jährlich im Juni und im September begeistert Foligno durch den am meisten erwarteten Wettstreit unter den Veranstaltungen, die die Stadt zu bieten hat: La Giostra della Quintana. Sie ist der strengste und schwerste Wettstreit, der in Italien stattfindet. Er wird sogar als „Olympiade der Pferdwettbewerbe“ bezeichnet. Die Stadt ist in zehn Stadtteile die „Rioni“, aufgeteilt. Jeder Stadtteil wird auf dem Kampfplatz, dem „Campo de li Giochi“, von einem Reiter vertreten, der das ersehnte Tuch zu gewinnen versucht. Zu diesem Zweck gab man jedem Reiter einen Vornamen, der ihn beim Wettkampf kenntlich macht: Il Gagliardo für das Stadtviertel Ammanniti; L’Ardito für das Badia, Il Pertinace für das Cassero, Il Furente für das Contrastanga; Il Fedele für das Croce Bianca; L’Animoso für das Giotti, Il Generoso für das La Mora, Il Baldo für das Morlupo, Il Moro für das Pugilli, L’Audace für das Spada.

Italie: Foligno, die Stadt der Quintana

Um den Sieg zu erringen, muss der Reiter auf seinem gut dressierten Pferd auf einer achtförmigen Rennbahn, die auf dem Spielfeld „Campo de li Giochi“ aufgezeichnet ist, 754 Meter entlang- galoppieren. Am Schnittpunkt der Diagonalen steht die Statue der Quintana. Der linken Arm hält ein Schild, welches das Wappen der Stadt Foligno (Lielie und Kreuz) zeigt, während der rechte Arm einen Hacken hält, an dem ein eiserner Ring von jeweils verschiedenen Durchmesser fixiert wird, der vom Reiter im Galopp mit einer Lanze durchstochen werden muss. Reiter und Pferd sind die Protagonisten des Wettbewerbs.

Die Pferde werden monatelang im Stall des jeweiligen Stadtteils trainiert, damit sie schnell, präzise und somit wettkampffähig werden. Die Ringe haben drei verschiedene Durchmesser: 6 Zentimeter für das erste Rennen, 5,5 und 5 für die beiden folgenden. Insgesamt gibt es neun Durchgänge. Der Reiter, der als schnellster und mit dem wenigsten Strafpunkten den Durchgang geschafft hat, gewinnt das "Palio“. Das Tuch wird jeweils von einem berühmten Künstler bemalt. Im Monat Juni findet di Giostra della Sfida und im September la Giostra della Rivincita statt.

Der historische Umzug

Am Vorabend des Wettstreites zieht auf dem “Campo de li Giochi” der “ Cortero Storico della Quintana” die Hauptstraßen entlang. Daran beteiligen sich mehrere hundert Figuranten in Barockkleidern als Vertreter des Giostra-Vereins, der Verwaltung und der zehn Stadtteile. Adlige, Damen, Ritter zu Pferde reiten, Pagen und Edelknaben, Trommlern und Trompeter, Fahnenträger und Fahnenschwinger lassen in ihren bunten und reich verzierten Kostümen im Fackelschein das lebhafte Treiben der Vergangenheit wieder aufleben. Vor der Vorlesung der Einschreibungen der Reiter für den am nächsten Tag durchzuführenden Wettstreit erteilt der Bischof auf dem Domplatz den Teilnehmern seinen Segen. Danach zieht der Zug die Straßen der Stadt, durch den Triumphbogen, und alles erglänzt ein eindrucksvoller Festbeleuchtung. Dieser Umzug findet in der Juni- und Septemberhälfte jeden Jahres statt.

Italie: Foligno, die Stadt der Quintana

Italie: Foligno, die Stadt der Quintana

Die historischen Kleider

Die Kleider der Quintana nehmen Bezug auf das Zeitalter vom 1580 bis 1620. Es handelt sich um den hispanischen Stil, der unter der Papstherrschaft nach Italien. Berühmte Bilder oder ikonografische Urkunden aus dieser Zeit sind Quelle und Vorlage für die Kleiderherstellung der Figuranten. Die Schneiderwerkstätte benutzen wertvolle und kostbare Gewebe. Die Schneider der Stadt fertigen die Kostüme an und haben dabei ein hohe Kunstfertigkeit erreicht. Goldschmiede aus Foligno führen die Kopien der alten Schmuckstücke mit wertvollen Materialien aus.

Die Ringe

Die Ringe gelten zusammen mit der hölzernen Statue, die dem Tournier den Namen gegeben hat, als Symbol des Ritterkampfes in Foligno. Heutzutage sind sie handgemacht und haben verschiedene Durchmesser: acht, sechs und fünf Zentimeter Innenbreite. Sie werden mit weißen und roten Bändern sichtbar gemacht: Es sind die Farben der Wappen von Foligno. Aber warum der Ring? Das Tournier findet nach Art des römischen Tourniers der Quintana statt, bei dem der Reiter das Ziel verfolgt, einen Holzstock oder einen in den Boden eingeschlagenen Pfahl zu treffen. Auf den Holzstock wurden vorher Kreise verschiedener Größen gezeichnet, in die der Reiter mit einer Lanze stechen mußte. Er bekam einige Punkte, wenn er den Angriff spannend gestaltete. Später wurden Kreise auf ein Schild, das am Tournierstandbild hing, gemalt. Wiederum später wurde ein Ring benutzt, der an einem Haken hing, und dieser sollte von einer Lanze durchstochen werden.

Italie: Foligno, die Stadt der Quintana

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Die Taverne

Eine Taverne oder Schenke – ist ein Ort, wo die Lebenskraft und Lebensfreude des Volkes ihren deutlichsten Ausdruck finden. Jedes Stadtviertel hat seine eigene. Sie war nicht nur Treffpunkt der Bürger, sondern auch "gastronomische Wirkungsstätte“, in der man den großen Banketten der Adligen nacheiferte. Heute werden hier dem Gast Gerichte aus alter umbrienscher Tradition angeboten. Die Kellner sind farbenfroh im Stil jener Epoche gekleidet. Diese Tavernen sind aber auch architektonisch interessant, weil sie im Keller alter Gebäude im Stadtzentrum liegen. Die zehn Stadtviertel nehmen am "Gareggiare die Convivi“ (Wettkampf der Tischgenossen) teil, einem Streit, bei dem das „Bankett“ nicht nur ein Probieren der Speisen sondern eine regelrechte Veranstaltung darstellt. Es geht dabei um Recherchen nach alten Rezepten, aber auch um ein Wiederauflebenlassen der Tafelfreuden aus der Zeit der Spätrenaissance und der ersten Jahre des 17. Jahrhunderts. Schauspieler und Musiker sind daran beteiligt, um eine heitere Atmosphäre zu schaffen. Die Taverne sind im Juni und im September geöffnet.

Die "Soprastanti“ Messe

Im September (manchmal auch Ende August) wird das Quintana - Festival mit der Soprastanti- Messe eröffnet. Sie wird von etwa tausend Menschen besucht. Es handelt sich dabei um eine Messe der Renaissancezeit. Sie zieht sich entlang der Straßen der Stadt. Im 17. Jahrhundert lag Foligno am Kreuzweg der Wanderern und Kaufleute, die nach Rom zogen. Sie kamen sei es von der Adria, sei es von der Po-Ebene. Seit dem Mittelalter war Foligno ein wichtiges Handelszentrum. Beispielerweise nahm die Mode, die von Florenz nach Rom wanderte, ihren Weg über Foligno. „Soprastanti“ hießen die ehrwürdigen Bürger aus Foligno, die jährlich ernannt wurden, um diese Messe zu organisieren. Der „Capitano della Fiera“ hatte, solange die Messe dauerte, das höchste Amt inne. Als Geldwährung führte Papst Paolo V. zu diesem Anlaß die Münze: „Quattrino“ ein. Heute wird diese Messe den Menschen wieder angeboten. Alles spielt sich in der Szenerie früherer Zeiten ab: Gebäude, Verkaufsstände, Waren und Kleidung und natürlich bezahlt man mit dem „Quattrino“, der einem als Erinnerungsstück an die fröhliche Stimmung und auch an die Messe des 17. Jahrhunderts bleibt.

Foligno

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